Die Geschichte der Ente
Die Erfolgsgeschichte vom hässlichen Entlein Eine Schönheit war der Citroën 2CV nie und sollte auch nicht lange Zeit auf dem Markt bleiben. Doch dann wurden 41 Jahre draus – und inzwischen plant der französische Autohersteller einen Nachfolger mit Namen DS2, der 2012 auf den Markt kommen soll. Die Erfolgsgeschichte der Ente ist eindrucksvoll und einmalig.
Alles begann im Jahr 1934: Citroën-Direktor Pierre-Jules Boulanger und Ur-Vater des 2CV hatte die Idee einen radikal minimalistischen Kleinwagen zu entwickeln, der hauptsächlich Bauern gefallen sollte, die bislang kaum ein Auto besaßen. Überlieferungen zufolge gab Boulanger folgende Anweisung an den damaligen Konstrukteur: „Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 km verbraucht. Außerdem soll es selbst schlechteste Wegstrecken bewältigen können und so einfach zu bedienen sein, dass selbst eine ungeübte Fahrerin problemlos mit ihm zurechtkommt. Es muss ausgesprochen gut gefedert sein, sodass ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Und schließlich muss das neue Auto wesentlich billiger sein als unser 'Traction Avant'. Auf das Aussehen des Wagens kommt es dabei überhaupt nicht an.“
250 Prototypen namens TPV (Toute Petite Voiture = ganz kleines Auto) wurden zunächst gebaut. Der Wagen bekam keinen Anlasser, stattdessen eine Handkurbel. Schließlich seien ja alle Bauern verheiratet und hätten eine Ehefrau, die die Kurbel bedienen könne, so lautete die Begründung von Boulanger. Citroën reduzierte das Fahrzeug auf das Allernötigste, es sollte möglichst billig und robust sein. Es besaß keinen Rückwärtsgang und nur einen Scheinwerfer. Die Sitzmöglichkeit kann man bestenfalls als kleine Hängematten bezeichnen, deren Enden auf Stahlrohre aufgezogen waren. Das Armaturenbrett fehlte komplett. Das Tachometer blieb unverkleidet und hatte außerdem die Funktion die Scheibenwischer mittels Tachowellenantrieb anzutreiben. Die Außenhaut des 2CV bestand weitgehend aus Aluminium. Das Gewicht betrug nur 300kg (zum Vergleich: ein heutiger Smart Fortwo wiegt rund 800 Kilo) und der Wagen verfügte über den kleinsten 4-Takt-Motor in der Geschichte des Automobils: 375 ccm. Die gesamte Technik galt schon damals als veraltet, aber dadurch konnte das Auto so günstig verkauft werden.
Vorgestellt wurde der Wagen allerdings erst 10 Jahre später, nachdem der zweite Weltkrieg vorüber war. Lange hatte Citroën das Projekt geheim gehalten und die Öffentlichkeit auf die Folter gespannt. Als der 2CV dann am 7. Oktober 1948 auf dem Pariser Salon präsentiert wurde, verschlug es Zuschauern und Presse die Sprache. So etwas Hässliches hatte keiner erwartet. Ein Journalist fragte spöttisch, ob der Büchsenöffner denn mitgeliefert werde, oder ob dafür ein Aufpreis gezahlt werden müsse. 2CV bedeutet zu Deutsch „zwei Dampfpferde“, doch die Presse gab ihm den Spitznamen „Hässliches Entlein“. Der 2CV wurde zunächst belächelt und verspottet, was sich aber bald änderte. Anfang der Ente Am 22. September 1949 lieferte Citroën die Ente erstmals an einen Kunden aus. Weil der Rohstoff Stahl nach dem Krieg knapp war und zudem noch keine ausreichenden Produktionsanlagen vorhanden waren, verlief die Auslieferung nur sehr schleppend und es entstanden Wartelisten. In den Folgejahren kamen jede Menge Verbesserungen und Extras hinzu und die Ente wurde einigermaßen verkehrssicher. Unter anderem bekam der Tacho eine Beleuchtung für die Nacht, die Leistung des Motors stieg von 9 PS auf 12,5 PS, das Heckfenster wurde vergrößert und eine Heizung eingebaut. Anstatt einem Stoffdach, das bis an die Stoßstange reichte, gab es jetzt einen Kofferraumdeckel aus Blech.
Das anfangs düstere Aussehen machte die Ente zum typischen Gangsterwagen in den 50er-Jahre-Krimis. Ein paar Jahre später wurde die Ente immer mehr verschönert. In den vorderen Kotflügel wurden runde Blinker eingebaut. Eine fünf-rippige Hochglanzmotorhaube ersetzte die Wellblechhaube und die Ente erstrahlte in verschiedenen Farbnuancen. Neue Michelin-Reifen bekam sie auch. Während der ganzen Produktionszeit wurden insgesamt über 1.000 Änderungen vorgenommen. Dadurch dass die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten sehr günstig waren, entwickelte sich die Ente in den kommenden Jahren immer mehr zum kultigen Studentenauto. Laut Wikipedia wurden in den 60ern weltweit rund 150.000 Exemplare jährlich verkauft. Der typische Entenfahrer verkörperte eine konsumkritische und eigenwillige Lebenseinstellung und passte somit genau zu seinem Auto. Das 2CV war das Hippie-Auto schlechthin. In den 70er Jahren bewies die Ente zudem sportliche Qualitäten und fuhr zahlreiche Langstreckenrallyes.
Die Ente war eigentlich nie dazu gedacht, lange auf dem Markt zu bleiben. Als Kind der Nachkriegszeit war sie bereits zu Produktionsbeginn technisch veraltet. Daher gab es auch keine großen Weiterentwicklungen. Die Citroën Dyane sollte die Ente ab 1967 ablösen, doch die Dyane erwies sich als Ladenhüter. Der 2CV hingegen nahm weiterhin rasenden Absatz und wurde daher auch nicht wie geplant aus dem Programm genommen. Das Ende der Ente kam erst 1990. Dazu führten vielschichtige Gründe. Zum einen sank die Nachfrage in ihrem Vaterland Frankreich und zum anderen war die Technik des Wagens bereits so stark veraltet, dass der 2CV in manchen europäischen Ländern gar nicht mehr zugelassen werden durfte. Zudem wollte Citroën wohl das Image vom hässlichen Entlein loswerden und sich in Zukunft auf hochwertige Automobile konzentrieren. Citroën hat in den 41 Jahren 3.868.633 Enten und 1.246.335 Kastenenten (Lieferwagen-Version) hergestellt. Der 2CV diente unter anderem als Basis für die Citroën-Modelle Dyane, Ami und Méhari. (jd) Sondermodelle: Ente spezial 1976: Spot (Spécial Orange Ténéré) 1976 und 1978: 2CV Special 1981: Gauloises-Ente 1982: Charleston-Ente (mit 29 PS) 1983: 2CV France 3 1986: 2CV Dolly 1987: Sausse-Ente

Quelle: Text und Bilder wurden uns von www.reifenwelt.de zur Verfügung gestellt.
