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Der Schatz im Lago Maggiore
Ein Oldtimer mit einer beeindruckenden Lebensgeschichte
Etwa 2.000 Schaulustige standen am Kai von Ascona und applaudierten, als das Bergungsunternehmen das Wrack an Land zog. Da war es nun, glänzte ehrwürdig in der Sonne. Nun herrschte endlich Gewissheit: Da schlummerte seit 72 Jahren ein echtes Schmuckstück am Grund des Sees! Doch mit der Summe, die es in seiner Versteigerung einbringen wird, hatten selbst die Experten nicht gerechnet.
Neun Monate Vorbereitung hat die aufwendige Bergungsaktion gebraucht. Dabei waren ursprünglich nur drei eingeplant. In der dunklen Tiefe des Schweizer Sees Lago Maggiore nahm das behutsame Ausgraben viel Zeit in Anspruch. Unvorhergesehene Probleme verzögerten die Aktion zusätzlich. So versank an Weihnachten 2008 die schwimmende Bergungsplattform bei einem Sturm im Wasser und landete auf dem Grund, beinahe auf dem Wrack.
12. Juli 2009. Die Aktion verlief erfolgreich. Die Bergungsfirma Boerlin und der Tauchclub Centro Sport Subacquei Ascona feierten mit ganz Ascona ein schillerndes Straßenfest. Dass ein Oldtimer, wahrscheinlich ein Bugatti-Rennwagen, in der Tiefe der Bucht von Ascona lag, war schon lange bekannt. Der Taucher Ugo Pilon entdeckte das Wrack schon 1967. Mit den Jahren entwickelte es sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Taucher. Aber alle Versuche, das Wrack zu bergen, scheiterten bisher. Jetzt konnte der Oldtimer endlich identifiziert werden. Der Experte Hans Matti benennt den Fund eindeutig als Bugatti Brescia Typ 22 Roadster. Ein seltener Sportwagen, Baujahr 1925, mit Spitzheck-Karosserie.
Er steckte mit einer Seite komplett im Schlamm, was den Oldtimers allerdings sehr gut konservierte. Auf dieser Seite ist sogar noch der originale hellblaue Lack zu sehen. Der anderen Seite des Wagens setzten Wasser und Sauerstoff erheblich zu. Aber verschiedene Anbauteile wie das Ölmanometer, der Chrom des linken Scheinwerfers, die Plaketten und auch die Reifen sind noch verhältnismäßig gut erhalten. Während der Bergung platze der Reifen hinten links und es kam sogar noch Luft raus. Insgesamt sind etwa 20 Prozent des Wracks in einem restaurationsfähigen Zustand. Die anderen 80 Prozent des einst stolzen Sportwagens hatten gegen die Korrosion keine Chance.Wie kam der Rennwagen eigentlich in den Lago Maggiore? Die abenteuerliche Geschichte beginnt am 11. April 1925 in Nancy (Frankreich). An diesem Tag wurde der Bugatti Brescia mit der originalen Chassis-Nummer 2461 und der Motornummer 879 erstmals zugelassen. 1933 kaufte ein Schweizer Architekt namens Marco Schmucklerski den Bugatti und nahm ihn mit in die Schweiz. Er bezahlte allerdings keine Einfuhrgebühr an den Zoll, fuhr den Wagen dort aber drei Jahre lang. 1936 zog er weg und ließ sein Auto bei seiner Gastfamilie zurück. Dann kam der Zoll und wollte kassieren. Es ist nicht ganz geklärt, ob der Wagen gesetzesmäßig beschlagnahmt wurde oder ob die fälligen Zollgebühren höher gewesen wären als der damalige Wert des betagten Fahrzeugs. Fakt ist, dass der Bugatti 1937 kurzerhand im Lago Maggiore versenkt wurde. Er wurde über die Anlegerampe ins Wasser gestoßen und sank auf den Grund in 53 Meter Tiefe. Dort rottete der Wagen vor sich hin.
Der Auslöser für den letzten erfolgreichen Bergungsversuch war ein gewisser Damiano Tamagni. Der 22-jährige Student wurde im Februar 2008 während der Tessiner Fastnacht von drei Jugendlichen ohne scheinbaren Grund zu Tode geprügelt. Damiano war Mitglied des Tauchvereins Centro Sport Subacquei Salvataggio Ascona. Seine Vereinskollegen und seine Familie gründeten nach seinem Tod eine Stiftung gegen Jugendgewalt (www.damianotamagni.ch) und organisierten die Bergungsaktion des Bugattis, der zugunsten der Stiftung versteigert werden sollte. Alle Helfer arbeiteten freiwillig und ohne Entlohnung an dem Projekt.
Man schätzte den Wert des Wracks auf etwa 70.000 bis 90.000 Euro ein. Doch das Auktionshaus Bonhams in Paris erzielte bei der Versteigerung einen unglaublichen Rekordpreis. Am 23. Januar 2010 wurde der Oldtimer für sagenhafte 260.500 Euro versteigert. Sechs Bieter trieben den Preis in die Höhe und der Zuschlag ging schließlich an einen berühmten Sammler aus den Niederlanden. Er möchte das Wrack allerdings nicht restaurieren, sondern es in seinem jetzigen Zustand konservieren und es in seinem zukünftigen Museum in Los Angeles der Öffentlichkeit zugängig machen.
Bugatti Brescia
Sportwagen der Zwanziger
Der Bugatti Brescia Typ 22 Roadster stammt vom Typ 13 ab, welcher erstmals 1910 vorgestellt wurde. Den Zusatz "Brescia" verdiente sich die Modellreihe 1921, als sie einen Vierfach-Sieg beim Voiturette Grand Prix in Brescia einfuhr. Der von 1910 bis 1926 gebaute, leichte und deshalb sehr schnelle Rennwagen hat einen 45 PS starken 1,5-Liter-Vierventilmotor und einen von zwei auf 2,4 Meter erweiterten Radstand. Er war für Bugatti mit mehr als 2.000 verkauften Exemplaren ein großer Erfolg.
Noch ein versenkter Bugatti
Als ob das Schicksal des Bugattis nicht schon nass genug wäre, wiederholt es sich ironischerweise im November 2009, kurz nachdem der erste Bugatti geborgen wurde. Erneut landete ein seltener Bugatti im Wasser. Ein 34-jähriger Texaner ließ sich während einer Spritzfahrt entlang der Küste von einem tieffliegenden Pelikan ablenken. Er geriet mit dem Wagen auf eine matschige Wiese, verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und landete in einer Lagune im Golf von Mexiko. Der Bugatti Veyron, der einen Wert von 2 Millionen Dollar hat, versank in wenigen Minuten. Der Fahrer blieb unverletzt, das Auto wurde zum sündhaft teuren Schrotthaufen. Der Besitzer konnte den Verlust verschmerzen, er hat sich gleich einen neuen Bugatti gekauft.
Text und Bilder wurden uns freundlicherweise durch www.reifenwelt.de zur Verfügung gestellt.

